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26.11.2006
Jetzt (über-)
lebe ich schon seit 5 Jahren mit und trotz Brustkrebs.
Am
26.11.01 erhielt ich die Diagnose, von mir
damals als "das Urteil" bezeichnet. Bis Mai
2002 folgten Chemotherapie und OP. In dieser Zeit habe
ich mich auch viel mit dem Thema Tod auseinandergesetzt.
Meine erste Anschlussheilbehandlung trat ich an mit
der Einstellung "Ich hab´s geschafft, ich habe
den Krebs besiegt". Diese Einstellung wurde mir
leider von einer Psychologin in der Reha-Klinik genommen:
"Das kann man bei den Wachtumsfaktoren von ihrem Krebs so
nicht sagen!" Diese Aussage wurde mir dann von
meinen Ärzten bestätigt. Auch wenn sie damit recht hatten,
hätte ich mir gewünscht, dass ich die Einstellung, dass
ich es überstanden habe, etwas länger hätte behalten
dürfen. Ich habe lange gebraucht, um das zu verdauen.
Schließlich kam ich zu dem Schluss, dass ich die Wahl
habe: Ich kann mich entscheiden zwischen einem Leben
für den Krebs oder mit dem Krebs. Ich
entschied mich für das Leben mit dem Krebs. Der Krebs
ist ein Teil von mir und meinem Leben geworden und wird
es auch für immer bleiben. Das habe ich inzwischen akzeptiert.
Auf
die Probe gestellt wurde diese Einstellung, als die
ersten Metastasen kamen. Ich hatte in den 2 Jahren nach
Abschluss der ersten Therapie Angst davor, dass ich
Metas bekomme, das geht wohl jedem Krebspatienten so
und ist ganz normal. Ich bekam bis 2003 den Antikörper
Herceptin, habe in dieser Zeit in der Klinik viele
Patientinnen mit Metastasen kennengelernt und konnte
nicht verstehen, wie man mit Metastasen noch so gut
drauf sein kann, körperlich und vor allem seelisch.
Als es mich dann 2004 auch erwischte, habe ich es verstanden.
Die Angst vor Metastasen war damit erledigt, ich musste
lernen, damit umzugehen und habe das auch geschafft,
jedenfalls meistens.
Natürlich
bleiben immer Ängste und wir müssen sie annehmen als
einen Teil unseres Lebens und unserer Krankheit. Die
Angst vor neuen, schlimmeren Metastasen, vor Schmerzen,
vor Nebenwirkungen von der Therapie, vor Abhängigkeit
von anderen und auch die Angst davor, gehen zu
müssen. Vor dem Tod habe ich keine Angst mehr, nur davor,
dass er zu früh kommt und davor, dass der Weg dorthin
qualvoll sein könnte.
Ich
bin sehr froh, dass die Medizin heute nicht mehr auf
dem Stand von vor wenigen Jahrzehnten ist, wo Krebs
eigentlich immer ein Todesurteil war. Dieses Denken
ist auch heute noch in den Köpfen der meisten Menschen
verankert, Krebs bedeutet, das war´s! Zum Glück ist
das dank der modernen Medizin immer öfter nicht der
Fall und das Ziel der Mediziner ist es zu erreichen,
dass Krebs so wie z.B. Diabetes nur noch eine chronische
Krankheit ist und keine tödliche mehr. Für mich und
meine Mitpatienten bedeutet das, je länger wir mit dem
Krebs überleben, umso besser sind unsere Chancen,
es noch viel länger zu schaffen, weil die Forschung
immer weiter geht. Das die schulmedizinische Behandlung
auch ihre Nachteile hat, steht wohl außer Frage. Darum
ist mein Weg die Kombination aus Schulmedizin und
Naturheilkunde.
Lernen
und akzeptieren muss ich noch, dass ich nicht mehr
immer alles so machen kann, wie ich es gerne möchte.
Die verschiedenen Therapien haben Spuren hinterlassen,
mein Körper will nicht mehr immer so, wie ich es mir
vorstelle. Damit kann ich im Moment nur schwer umgehen.
Aber daran versuche ich zu arbeiten.
Ich
wollte den Krebs nicht haben und immer wieder
neue Metastasen
erst recht nicht. Die
vergangenen 5 Jahre waren für mich und meine Familie
und andere nahestehende Personen sehr hart und wir alle
möchten so eine Zeit nie mehr erleben. Aber
die Krankheit hat viele Seiten und nicht alle sind negativ. Ich habe neue Freunde gefunden
und erfahren, welche alten Freunde wirklich Freunde
sind und trotz Krankheit weiter zu mir stehen. Ich habe
in Kassel und später auch zu Hause und im Forum erfahren,
dass ich anderen Menschen Mut machen kann, ich
habe begonnen, diese Tatsache zu nutzen und in musikalischer
Form umzusetzen. Der Krebs
hat mir also nicht nur negative Erfahrungen
eingebracht, sondern mir auch geholfen, stärker zu werden
und meinen Weg zu
finden und zu gehen. Der
Krebs wird immer ein Teil meines Lebens sein, aber ich
hoffe so sehr, dass er nun ein passiver Teil bleibt, damit ich meine
Pläne umsetzen und meine Ziele erreichen kann!
Danke
an alle, die mich auf meinem Weg begleiten!
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