Habichtswaldklinik 2007

 

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2007

Nachdem es mir 2006 in der Habichtswaldklinik so gut gefallen hatte, musste ich nicht lange überlegen, wohin mich die nächste AHB führen sollte. Vom 5.3.-14.4.07 war ich erneut in der Habichtswaldklinik. Ich wurde wieder sehr lieb aufgenommen, viele Mitarbeiter kannte ich ja noch vom letzten Jahr (und sie mich auch).

Ich wurde wieder von Frau Dr. Hübner betreut, die mir meine vielen Fragen sehr ausführlich beantwortete und mir viele Ängst nehmen konnte. Zu dem Zeitpunkt stellte sich für mich ja wieder die Frage nach einer Therapie, weil die Lunge wieder schlechter aussah und die Tumormarker wieder stiegen. Wir haben also auch über Therapieoptionen gesprochen und, als mir immer mehr die Puste ausging und die Marker noch weiter gestiegen waren, gemeinsam beschlossen, noch während es Aufenthaltes mit der Chemo zu beginnen.

Mein Hauptziel während des Aufenthaltes war, die Erschöpfung in den Griff zu bekommen bzw. zu lernen, damit umzugehen. Das ist mit Hilfe meiner Ärztin und durch lange Gespräche mit Sigrid, meiner Psychologin, auch ganz gut gelungen.

Außerdem habe ich wieder zu mir gefunden, nachdem ich mich vorher lange Zeit nur abgelenkt hatte, um nur nicht denken zu müssen. Auch musikalisch bin ich wieder auf meinen Weg gekommen. Ich habe "To My Cancer", das ich kurz vor dem Aufenthalt begonnen hatte, fertig geschrieben und für "Why Me", dessen Text schon lange fertig war, endlich eine eigene Melodie geschrieben und den Text teilweise umgeschrieben. Bei der Korrektur hat mir Monika, eine Mitpatientin, die dort in der psychosomatischen Abteilung war, sehr geholfen, sie kann sehr gut englisch. Mit ihr hatte ich auch einige Gespräche zum Thema Angst und Panikattacken, sie machte zu der Zeit ähnliches durch wie ich 1996, als meine Angstattacken am schlimmsten waren. Dazu habe ich bisher auf meiner Homepage noch nicht geschrieben, das werde ich aber vielleicht noch machen. Zu Monika habe ich immer noch losen Kontakt per Mail.

Schon vor der Anreise hatte ich den Plan im Hinterkopf, in der Klinik zum ersten Mal richtig aufzutreten, weil ich dort ein geschütztes Umfeld habe und weil hier der Plan entstanden ist, mit meinen Liedern auch aufzutreten. So war der erste Auftritt dort eine ganz logische Folge, um den Kreis zu schließen.

In meiner Psychotherapie-Gruppe habe ich zum ersten Mal "An Unfair Fight" vor Mitpatienten gesungen und bin gut angekommen. Das hat mich darin bestärkt, den Plan zu verwirklichen und meine Psychologin hat mich sehr unterstützt. Auch von einigen lieben Mitpatienten wurde ich dazu ermutigt, mit Renate habe ich ein paar Mal geprobt, sie singt auch und konnte mir sehr gut weiterhelfen. Zu ihr habe ich immer noch Kontakt und hoffe, dass ich sie bald mal wieder sehe. Wir wohnen leider sehr weit auseinander.

Am 1.4.2007 hatte ich dann tatsächlich meinen ersten richtigen Auftritt. Es hat mich sehr viel Überwindung gekostet, ging dann aber richtig gut. Meine Lieder sind angekommen, der Auftritt war also ein voller Erfolg, ich hatte den ersten großen Schritt auf dem Weg zur Verwirklichung meiner musikalischen Pläne gemacht und war sehr dankbar, dass ich es so weit geschafft hatte. Ich habe es nur bedauert, dass Gaby, die ich 2006 kennengelernt hatte, nicht kommen konnte. Wir hatten vorher telefoniert, sie war aber leider im Urlaub. Auch sie würde ich gerne mal wiedersehen, u.a um mit ihr Musik zu machen, sie spielt nämlich inzwischen auch Gitarre!

Meinen Geburtstag habe ich auch in der Klinik verbracht. Morgens beim Frühstück gab es eine tolle Überraschung: Meine Tischnachbarinnen (Renate, Marlis und Rele) hatten Blümchen und eine Kerze auf den Tisch gestellt und ich wurde mit einem Ständchen empfangen, in das viele aus dem Raum einstimmten. So oft in so kurzer Zeit wurde ich wohl noch nie in den Arm genommen! Von meinen Tischmädels bekam ich einen wunderschönen Seidenschal und auch von anderen Mitpatienten, die ich näher kennengelernt habe, gab es kleine Geschenke und Karten. Auch mein Postfach war voll wie nie (war nicht die schlechteste Idee, meine Klinik-Adresse ins Forum zu stellen ). Andre hat mich auch besucht, es war also ein wunderschöner Geburtstag!

Ostern war ich noch in Kassel, es ging mir aber leider ziemlich mies, weil ich kurz vorher wieder mit der Chemo begonnen hatte. Trotzdem war es ein schönes Wochenende, an dem auch Andre wieder da war. Am Ostermontag bin ich nochmal aufgetreten, dieses Mal hatte ich es kurzfristig entschieden, trotzdem waren einige Zuhörer da, u.a. die Psychologin, die mich letztes Jahr auf die Idee mit den Auftritten gebracht hatte. Auch dieser Auftritt ist gut gelungen.

Natürlich habe ich auch wieder beim Mantrensingen mitgemacht, war ein paar Mal in der Kurhessentherme, die direkt neben der Klinik liegt und durch einen Gang erreichbar ist, und habe noch viele andere Angebote genutzt.

Traurige Momente gab es leider auch. Ich hatte vor meiner Anreise eine Mail an Monika geschickt, die ich letztes Jahr kennengelernt hatte und die oft mit uns im Bergpark war. Sie wohnte in der Nähe von Kassel und ich dachte, wir könnten uns vielleicht mal treffen. Als der erste Auftritt feststand, schickte ich ihr noch eine SMS. Leider bekam ich keine Antwort. Als ich wusste, dass ich nochmal auftrete, rief ich bei ihr an und erfuhr von ihrem Mann, dass sie im Januar gestorben ist .
Leonard, den ich auch letztes Jahr kennengelernt hatte, ist schon im Oktober 2006 gestorben. Beide hatten mit Gaby und mir an einem Tisch gesessen und zumindest bei Monika sah es zu dem Zeitpunkt nicht mal schlecht aus, so dass mich ihr Tod sehr überrascht hat. In der Klinik und im Bergpark musste ich oft an die beiden denken, vor allem an Orten, wo wir gemeinsam waren.

Besonders fasziniert hat mich im Bergpark der Unterschied zum letzten Aufenthalt. Der war ja im Sommer, alles war grün und blühte, es gab viele junge Enten und Schwäne. Dieses Mal waren anfangs noch alle Bäume kahl, es gab sogar noch einmal Schnee, der aber nach wenigen Stunden wieder weg war. Nach und nach kamen die ersten Knospen, der Park erwachte aus dem Winterschlaf. Meine Kamera war natürlich wieder mein ständiger Begleiter, einige Bilder seht Ihr hier: Kassel 2007

In der Klinik bekam ich die ersten beiden Chemos, die zweite habe ich zum Glück besser vertragen als die erste. Am 14.4.07 ging es wieder nach Hause.

Die Zeit in Kassel war wieder sehr intensiv und hat mir viel gebracht. Ich bin sehr froh, dass ich diese Zeit erleben durfte und auf meinem Weg weiterkommen konnte.

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