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Seit meinem 9. Lebensjahr trage
ich Hörgeräte, für mich ist das etwas ganz Normales,
darum habe ich darüber bisher hier nicht geschrieben. Bei der Anpassung neuer Hörgeräte
kam ich mit meiner Hörgeräteakustikerin auf das Thema,
dass viele Leute keine Hörgeräte tragen wollen, obwohl
sie welche brauchen. Die Hemmschwelle ist immer noch
relativ hoch, viele denken, sie kommen mit der Technik
nicht zurecht oder wären stigmatisiert, wenn sie ein
Hörgerät tragen. Ich möchte darum allen Betroffenen hier ein bißchen
Mut machen, es einfach mal zu versuchen!
Mein "Laufbahn"
als Hörgeräteträgerin
Schon im Kindergarten wurde festgestellt,
dass mein Hörvermögen nicht ganz normal ist. Mit
9 Jahren bekam ich dann meine
ersten Hörgeräte. An die erste Zeit damit kann ich mich
nicht mehr erinnern. Ich bin trotz dieser Einschränkung
weiterhin auf ganz normale Schulen gegangen. Meine Zeugnisnoten wurden
häufig von der mündlichen Note verschlechtert, weil
ich wohl doch oft unsicher war, ob ich eine Frage
richtig verstanden habe und mich darum selten gemeldet
habe. Trotzdem
habe ich den erweiterten Realschulabschluss geschafft.
Als Kind hatte ich
immer längere Haare, die Ohren waren also bedeckt, man
hat die Hörgeräte kaum gesehen. Als Jugendliche habe
ich mir dann die Haare kurz schneiden lassen. Einerseits,
weil ich eine coolere Frisur wollte, andererseits, um
zu provizieren. Ich wollte wissen, wie die Leute auf
meine Hörgeräte reagieren. Damit habe ich mich auch von
dem Gefühl befreien können, dass Hörgeräte
etwas Komisches sind. Jetzt sind Hörgeräte schon lange
ein Teil von mir, so wie auch die Brille. Ich kenne
es nicht mehr anders. Nur selten fühle ich mich wirklich
davon eingeschränkt, z.B., wenn ich schwimmen gehe.
Wasserdichte Geräte gibt es in meiner Stärke leider
nicht, also höre ich im Wasser kaum etwas und fühle
mich entsprechend unsicher.
Für die meisten anderen
Situationen gibt es im Fachhandel Lösungen. Da ich
einen normalen Wecker nicht mehr hören kann, hatte ich
lange einen speziellen Lichtwecker. Inzwischen habe
ich einen billigere Lösung gefunden: Eine Zeitschaltuhr
mit einer Lampe. Das hat den gleichen Effekt.
Hörgerätebatterien
werden leider auch nicht mehr von den Krankenkassen
und Versicherungen übernommen. Im Internet bekommt man
sie aber recht günstig. Ich bestelle sie seit
einiger Zeit im AZE-Shop.
Ursachen
Die Ursache meiner
Innenohrschwerhörigkeit konnte nie wirklich festgestellt
werden, es gibt nur Vermutungen. Ich habe als Baby Antibiotika
bekommen, außerdem hatte ich als Kind öfter Mittelohrentzündungen.
Meine Oma brauchte auch Hörgeräte und mein Vater inzwischen
auch, beide aber erst, als sie älter waren. Meine eigene
Theorie geht dahin, dass ich damals nicht mehr hören
wollte! Das Thema möchte ich jetzt hier nicht vertiefen,
das würde zu weit führen. Mein Gehör hat sich in
den ersten Jahren immer weiter verschlechtert.
Inzwischen ist mein Hörvermögen seit ca. 20 Jahren konstant
geblieben, wenn auch auf einem niedrigen Level. Ohne
Hörgeräte höre ich nur sehr wenig.
Hörgeräte: Technik
und Mode
Die Technik der Hörgeräte
wird immer besser, die Geräte können viel individueller
angepasst werden, was bei der Anpassung aber auch ein
wenig Ausdauer erfordern kann, bis die Geräte optimal
eingestellt sind. Aber das ist es wert!
Auch optisch hat sich
viel getan. Viele Hersteller bieten Gehäuse in verschiedenen
Farben an und die Otoplastik (Ohrpassstücke) bei Geräten, die
hinter dem Ohr getragen werden (HdO-Geräte), lassen
sich auch in verschiedenen Farben und Formen anfertigen
und mit Steinchen oder Ähnlichem verzieren.
Meine alten Hörgeräte
(Siemens Signia) habe ich 7 Jahre lang getragen. Das
ursprüngliche Gehäuse habe ich irgendwann gegen
ein Durchsichtiges austauschen lassen. Da diese Geräte
eine Abschirmung gegen Störungen haben, sehen sie richtig
edel aus, denn die Abschirmung ist goldfarbig.
 Siemens
Signia
Farbige Ohrpassstücke
habe ich auch schon lange. Vor 2 Jahren habe ich eine
Hörgeräteakustikerin gefunden, die noch individueller
und kreativer arbeitet. Ich besorge Kettenanhänger
mit meinen Wunschmotiven (im Moment Schmetterling und
Delfin) und entferne die Öse. Sie setzt mir die Anhänger
dann in die farbigen Passstücke ein und so wird daraus
richtiger Ohrschmuck.
Meine neuen Hörgeräte
sind die Phonak Savia
311dSZ, ihr seht sie ganz oben.
Vorher hatte ich Bedenken, ob ich mich überhaupt
auf neue Hörgeräte einlassen kann, weil ich im Moment
schlecht mit Veränderungen
zurecht komme, besonders, wenn sie sich auf die Sinne
beziehen. Umso erstaunter war ich, dass ich
sie sofort angenommen habe. Eine
Herausforderung,
die früher nicht nötig war, gab es auch zu bewältigen:
Der Klang meiner Gitarre und meiner eigenen Stimme beim
Singen. Auch sonst bieten meine Neuen viel mehr Möglichkeiten,
ich bin immer wieder fasziniert. Es
ist richtig spannend, mit den neuen Geräten hören zu
lernen, denn Lernen ist immer dabei, weil
jedes Gerät ein wenig anders klingt. Als ich vor 7 Jahren die
Signia bekam, waren wir kurze Zeit später bei
Marktkauf. Wir fuhren mit unserem Einkaufwagen auf der Rolltreppe nach unten.
Dort war ich von einem neuen
Geräusch irritert und fragte Andre, was das ist. Er sagte, es ist alles wie
immer. Was ich gehört habe waren die Einkaufswagen, wenn sie von der Rolltreppe
runterkamen. Ich habe vielleicht gestaunt!
So
können die Hörgeräte völlig neue Welten eröffnen! Dies
gilt ganz besonders, wenn man schon länger schlecht
hört, aber noch keine Hörgeräte hat.
Ich
kann Euch also nur ermutigen! Natürlich
muss man sich daran gewöhnen. Aber das ist zu schaffen
und lohnt sich! Lasst
Euch darauf ein und Ihr werdet merken, dass Ihr
an den Hörgeräten viel Freude haben könnt und dass
sie auch ein modisches Accessoire sein können!
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