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Mein Wunsch
nach einer Gefechtspause war irgendwie nicht angekommen, aber
ich habe trotzdem nicht aufgegeben!
Seit der Strahlentherapie
wegen der Hautmetastasen stiegen die Tumormarker
ständig weiter, obwohl die Ärzte meinten, sie müssten
langsam mal sinken. Da es mir insgesamt nicht gut ging,
ich hatte immer wieder Husten und war ziemlich schlapp,
wurde im Oktober 05 ein PET-CT gemacht, bei dem sich unklare
Befunde im Bereich des linken Lungenflügels, hinter dem Brustbein und ein
suspekter Lymphknoten im Beckenbereich ergaben. War mal wieder typisch für mich,
statt einem klaren "es ist alles in Ordnung" oder "Sie haben neue Metas" hieß es
wieder, "sieht alles nicht nach Metastasen aus, muss aber trotzdem beobachtet
werden".
Beim
Lungenfacharzt wurde eine Bronchoskopie
gemacht, bei der Entzündungszellen in der Lunge
gefunden wurden. Nach Therapie mit Antibiotika ergaben
sich beim Röntgen keine Änderungen. Am 20.12. wurde
ein CT gemacht,
auf dem wabenartig verdichtetes Lungengewebe in beiden
Lungenunterlappen zu sehen war (dies habe ich aber erst
nach dem zweiten CT erfahren, im ersten Bericht stand
davon nichts!), am 13.1.06 folgte eine weitere Bronchoskopie,
dieses Mal in Vollnarkose im Krankenhaus. Auffälligkeiten waren nicht
sehen, es wurden wieder Entzündungszellen gefunden. Zur Kontrolle wurde am
20.2.06 noch ein CT gemacht, bei dem die Lunge unverändert
aussah. Bei der Besprechung riet mir der Lungenfacharzt in der Klinik
dringend zu einer Thorakoskopie,
die auch bald gemacht werden sollte.
Am
3.3. sprach ich mit dem Chefarzt der Onkologie
in der MHH, der mich seit Beginn meiner Krebserkrankung
betreut. Auf das, was er mir sagte, war ich nicht
gefasst:
Er meinte, dass allein aufgrund der gestiegenen
Tumormarker ein Fortschreiten der Erkrankung sicher ist
und dass die Tumorzellen ohnehin schon im gesamten Körper
sind. Sie hatten sich ja bisher im Lymphsystem
ausgebreitet, ohne massive Metastasen zu bilden. Die
Metastasen bezogen sich immer auf die Lymphbahnen.
Für ihn war es egal, ob ich eine Lymphangiosis in
der Lunge hatte oder ob die Aktivität an anderen Stellen
saß. Die Frage war nur, ob die Chemo gleich gemacht
wird oder ob wir warten, bis massive Einschränkungen
auftreten. Ob das einen Einfluss auf die Gesamtüberlebenszeit hat,
wisse man ohnehin nicht, es ginge nur um die Lebensqualität.
Als
wir wieder im Auto saßen, habe ich erstmal geheult.
Dass ich nicht geheilt werden kann und vermutlich nicht
sehr alt werde, habe ich ja schon öfter gehört und das war mich auch irgendwie klar,
aber dieses Gerede von Überlebenszeit und so macht das viel bedrohlicher.
Ich möchte doch so gerne noch lange leben und viel erleben!!
Am
8.3. war
ich noch bei einem anderen Lungenfacharzt, für den
der bisherige Verlauf am ehesten für eine Lymphangiosis
carcinomatosa sprach. Auch er riet mir zur Chemo.
Am
21.3. begann ich mit der Chemo. Ich sollte 12 wöchentliche
Kurse Taxol
bekommen. Herceptin, Bondronat und die Anti-Hormon-Therapie
sollte wie bisher weiterlaufen. Nach dem 2. Kurs
fingen
die Haare an auszufallen. Nach
der 3. Chemo hat Andre sie mir abrasiert, weil
ich die "Schur" hinter
mich bringen wollte. An meine neuen Kopfbedeckungen,
Piratentücher (Zandanas und Seidentücher), Häkelmützen,
Baseballcaps und meine neue Perücke habe ich mich schnell
gewöhnt. Die Kopfbedeckungen und auch
"oben ohne" standen mir auch ganz gut, wie
ihr auf den Fotos unter Kopfbedeckungen
sehen könnt. Am Chemotag war ich von der Begleitmedikation sehr müde
und habe fast den ganzen Tag verschlafen. Meine Blutwerte
hatten sich nach den ersten Kursen immer ganz gut wieder
erholt, erst nach Kurs 7 blieben die Leukozyten zu niedrig,
so dass ich Neupogen spritzen musste.
Übelkeit hatte ich kaum, nur ab und zu Sodbrennen, das
sich aber ganz gut mit Säureblockern bekämpfen ließ.
Die Nerven an Händen und Füßen wurden leicht geschädigt,
sie kribbelten ständig.
Insgesamt ging es mir aber relativ gut.
Nach
dem 6. Kurs wurden die Tumormarker kontrolliert, der
CA 15-3 war weiter gestiegen. Eigentlich
sollte der Wert sinken oder wenigstens konstant bleiben,
wenn die Chemo wirkt. Wir mussten also davon ausgehen,
dass Taxol bei mir nicht wirkt und die letzten Wochen
für die Katz waren. Darum wurde die Chemo
gewechselt.
Vom
9.5. - 12.9. bekam ich 12 Kurse
Navelbine.
Am
Chemotag war mir ein bißchen flau im Magen. Die Nervenschäden an Händen und Füßen
hatten sich mit jedem Kurs verstärkt, ein Versuch mit
Vitamin B brachte keine Besserung. Während meines Aufenthaltes
in der Habichtswaldklinik
(mehr darüber hier)
bekam ich 6 Infusionen
mit Neurium (Alpha-Liponsäure), danach waren Kribbeln
und Taubheit viel weniger. Später nahm ich Neurium-Tabletten,
um eine erneuten Verschlechterung zu verhindern.
Die Leukozyten (weiße
Blutkörperchen) sanken regelmäßig,
so dass ich nach jeder Chemo Neupogen spritzen musste, damit
sie wieder auf eine chemotaugliche Zahl stiegen. Außerdem
hatte ich im Laufe der Therapie immer weniger Energie. Die
Haare wuchsen unter Navelbine wieder, wenn auch am Anfang
nicht wirklich dicht.
Nach
dem zweiten Kurs Navelbine war ich zum Röntgen beim
Lungenfacharzt. Das Ergebnis passte nicht zu dem
gestiegenen Tumormarker, die Lunge sah besser aus! Erklären
konnte der Arzt sich das nicht. Hat Taxol doch gewirkt?
Wir waren jedenfalls sehr erleichtert, weil wir mit
einem schlechten Ergebnis gerechnet hatten.
Nach
dem 6. Kurs Navelbine wurden Anfang Juli die Tumormarker
wieder kontrolliert, beide waren stark gesunken!
Bei der folgenden Kontrolle beim Lungenfacharzt sah
die
Lunge deutlich besser aus, die Zeichnungsvermehrung
ging zurück! Dieser Verlauf hat den Verdacht auf
Lymphangiosis carcinomatosa quasi bestätigt. Mitte August war
ich wegen Husten erneut zum Röntgen, mit dem tollen
Ergebnis, dass die Lunge wieder normal aussah. Die Tumormarker
waren auch weiter gesunken.
Am
12.9. hatte ich es endlich geschafft, die Chemo war
überstanden! Am 16.10. folgte die Abschlusskontrolle
der Lunge, sie sah noch genauso gut aus wie im August.
Der Tumormarker war noch weiter gesunken. Am
9.11.06 hatte ich noch einen Termin bei meinem Onkologen
zu Lagebesprechung. Er sagte auch, dass wir die Lage
wieder im Griff haben und wünscht mir, dass es so bleibt! Die laufende Therapie ändert
sich nicht, ich bekomme weiter jeder Woche Herceptin,
alle 4 Wochen Bondronat und Zoladex und nehme täglich Arimidex.
Ich habe
also auch Kampfrunde 4 gewonnen!  Eine 5. Kampfrunde
wird nicht mehr nötig sein, daran glaube ich ganz fest!
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