|
Im März 2004 fühlte ich einen verdickten
Lymphknoten am Hals. Es wurde eine Computertomographie veranlasst, bei dem der
LK als nicht weiter auffällig eingestuft wurde. Im Laufe der nächsten Monate
kamen weitere LK an Hals und Schlüsselbein hinzu und ich hatte immer mehr Angst,
dass es doch Metastasen sind.
Bei
einer Kontrolle im August schlug Dr. Brunnert schließlich
vor, eine Probe
von den Lymphknoten zu nehmen, weil inzwischen weitere
auffällig aussahen und er sie nicht einschätzen
konnte. Da ich endlich wissen wollte, woran ich bin,
weil ich mit der Ungewissheit überhaupt nicht umgehen
konnte, entnahm Dr. Brunnert am 7.9.2004 in Vollnarkose zwei Lymphknoten.
Obwohl
alle sagten, dass es nicht nach Metastasen aussieht,
hatte ich ein ziemlich schlechtes Gefühl. Das Ergebnis
bestätigte mein Bauchgefühl dann leider auch: Tumore in den Lymphknoten
mit Infiltration in größere Gefäße (G3).
Ich hoffte darauf, dass sich bei der
histologischen Untersuchung herausstellt, dass die Krebszellen hormonabhängig
sind, wieder Her2-neu 3+ haben und nur in der Schlüsselbein- und Halsregion
sind und habe mir quasi noch im Krankenhaus meinen Therapieplan erstellt. Da
die Ergebnisse tatsächlich meinen Vorstellungen entsprachen und bei den folgenden
Untersuchungen keine weiteren Metastasen gefunden wurden, wurde ich mit meinem Onkologen schnell
einig: Keine Chemo sondern
vom 18.10.-25.11.2004 28x
Strahlentherapie der Lymphabflusswege cervical,
supraclavikulär, infraclavikulär, axillär, insgesamt 50,4 Gy
Herceptin 1x
wöchentlich bis auf Weiteres (d.h. so lange es wirkt)
Anti-Hormon-Therapie (AHT) mit
Zoladex (alle 4 Wochen) und
Arimidex
Bondronat
alle 4 Wochen zum Schutz vor Knochenabbau (die
Knochendichte war durch die Chemo schon vor Beginn der AHT
grenzwertig) und Knochenmetastasen.
Die Strahlentherapie wurde im Friederikenstift
in Hannover durchgeführt, dort habe ich mich sehr gut
aufgehoben gefühlt. Ich vertrug die Therapie recht gut, die
Haut hat sich aber ziemlich stark gerötet, wie
man unten sieht. Da sehr hoch am Hals bestrahlt
wurde, bekam ich Probleme mit der Mundschleimhaut und
dem Hals, außerdem schmeckte alles irgendwie komisch.
Durch Medikamente erholte sich die Schleimhaut bald
wieder, die Geschmacksstörungen haben mich noch ein
paar Monate begleitet.
|

|

|
|
18.10.04 "Bodypainting":
Bestrahlungsfelder
|
25.11.04
Letzter Tag der Strahlentherapie
|
Zur Kontrolle wurde
im Januar 05 ein PET-CT gemacht. Darauf waren keine Metastasen
erkennbar.
Durch die AHT habe ich seitdem die üblichen Wechseljahrsbeschwerden mit
Hitzewallungen und Gelenk- und Muskelschmerzen.
Herceptin ist relativ gut
verträglich, besonders im Vergleich mit einer Chemotherapie. Die Herzleistung muss während der Therapie regelmäßig vom
Kardiologen überprüft werden, damit eine Verschlechterung rechtzeitig
festgestellt wird. Bei mir war das schon zweimal der Fall (einmal 2003, also als
ich Herceptin adjuvant bekam und einmal im Juli 05), ich habe dann jeweils 6
Wochen Therapie-Pause gemacht, danach war alles wieder in Ordnung. Eine
harmlose, aber lästige Nebenwirkung ist, dass die Fingernägel brüchig werden und
oft einreißen und splittern. Etwas verbessern kann man das durch die Einnahme
von Biotin.
Im November 2004 wurde mir
mein zweiter
Port
eingesetzt, der die Therapie sehr erleichtert, weil die lästige "Venen-Stocherei"
entfällt. Der erste Port musste 2002 nach einer Thrombose entfernt
werden. Jetzt spritze ich prophylaktisch Heparin, um eine erneute Thrombose zu
verhindern, damit mir der neue Port lange erhalten bleibt.
Als
ich mit meinem Onkologen die Therapie besprach, fragte
ich ihn auch, wie denn nun die Chancen wären, dass wir
die erneute Erkrankung wieder in den Griff bekommen.
Seine Antwort war: "Gut". Ich war völlig irritiert,
weil ich wusste, dass die Chancen, wenn man Metastasen
hat, eben nicht mehr gut sind. Er erklärte mir daraufhin,
ich hätte ja nach den Chancen gefragt, die Metas in
den Griff zu bekommen, und die wären gut. Dass ich mit
den Faktoren von meinem Tumor nicht heilbar wäre, hätte
er mir ja schon nach der Erstdiagnose gesagt. Daran
konnte ich mich nicht erinnern, aber wahrscheinlich
wollte ich sowas zu dem Zeitpunkt auch nicht hören. Inzwischen
habe ich mit dieser Aussage meinen Frieden gemacht,
ich hoffe, dass ich auch mit dem Krebs lange leben
werde. Andre hat das mit einem Diabetiker verglichen,
der ja auch unheilbar krank ist und ständig Medikamente
braucht, aber trotzdem alt werden kann.
zur
nächsten Seite.
|